Im Nachhinein erscheinen die 80er als echt geile Zeit. Das waren sie auch. Aber Nostalgie verklärt vieles. Neben Synthiepop und Neonfarben gab es Ängste, gesellschaftliche Ausgrenzung, Armut und politische Tristesse.
Hier fünf Gründe, warum die 80er doch nicht nur geil waren:
Tschernobyl – vorsicht Radioaktiv
Am 26. April 1986 gab es im Atomkraftwerk Tschernobyl eine Nuklearkatastrophe. Tschernobyl ist weit weg, aber der Wind trieb eine radioaktive Wolke über Mitteleuropa. In den Nachrichten wurde die aktuelle Strahlenbelastung verlesen, und alle hofften, dass das Wetter günstig blieb – ohne radioaktiven Regen. Ernten waren verseucht: Gemüse, Milch, Pilze – ungenießbar. Manche Wildtiere sind bis heute belastet. Die Menschen waren verunsichert, Spielplätze wurden gesperrt – ähnlich wie während der Corona-Pandemie.
Kalter Krieg – Leben zwischen den Fronten
Leider kennen wir das wieder: Man rechnete damit, dass die Russen (damals Sowjets) einen Krieg beginnen und angreifen könnten. Dass Atombomben auf einen niedergehen. Deutschland grenzte direkt an den Ostblock, und die Fronten zwischen Westen und Osten waren verhärtet. Man fürchtete, dass es jederzeit zum Krieg kommen könnte – und dass die Menschen in Deutschland zwischen die Fronten geraten würden.
Divers? Vielfalt? Nicht in den 80ern
Bis in die 90er hinein waren homosexuelle Handlungen zwischen Männern strafbar. Doch schlimmer noch: „Schwul“ war ein Schimpfwort, „behindert“ ebenfalls. Der Umgang war rau und wenig sensibel. Wer nicht der Norm entsprach, hatte es schwer – aus meiner Sicht sogar schwerer als heute.
AIDS – Stigma und Angst
Eine Seuche brach aus. Anfangs wusste man kaum etwas darüber. Menschen, insbesondere Schwule, wurden unter Generalverdacht gestellt. Die Übertragungswege waren unbekannt – ähnlich wie zu Beginn von COVID-19. Viele dachten, man könnte sich durch Händeschütteln oder Küssen anstecken. Gruppen, die es ohnehin schon schwer hatten – Homosexuelle und Drogenabhängige –, wurden ausgegrenzt und als Sündenböcke abgestempelt.
Saurer Regen, Waldsterben und Luftverschmutzung
Ein Thema, das leider wieder aktuell ist: In den 80ern starben Wälder im großen Stil durch sauren Regen. Blei war im Benzin, Flüsse waren verseucht, und Smog hing über den Städten. Ein Rauchverbot war noch in weiter Ferne, und Kinder mussten gesundheitlich einiges einstecken.
Bonus: 9 % Arbeitslose
Man muss sich das vorstellen: Dreimal so viele Arbeitslose wie heute (anteilig). Helmut Kohl und Margaret Thatcher verfolgten eine Politik der „Eigenverantwortung“ – sprich: Dein Problem, nicht das der Gesellschaft.