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Wärmepumpe

Im Sommer letzten Jahres haben wir die Gastherme gegen eine Wärmepumpe ersetzt. Sehr freiwillig, und ich kann nur empfehlen sich damit auseinanderzusetzen, denn damit lässt sich nicht nur etwas gutes für die Umwelt tun, sondern auch Geld sparen.
Die bisherige Gastherme versorgte ein 140qm Haus und das verbrauchte ca. 12000 kWh / 1200 m^3 Gas, Kosten 800 EUR (2022, 4.5 ct/kWh netto). Das sind 3.3t CO2 Äquivalent.

Die Wärmepumpe ist bei uns eine Luft/Wasser-Wärmepumpe. Es gibt einige andere Varianten, bei denen man z.B. Erdsonden braucht. Die Luft/Wasser-Variante hat den Vorteil dass sie in der Anschaffung günstiger ist und wenig komplex von der Installation (keine tiefen Löcher im Garten). Andere Varianten haben dafür einen ein wenig höheren Wirkungsgrad.

Wie funktioniert eine Wärmepumpe?

Einfach erklärt funktioniert eine Wärmepumpe wie ein Kühlschrank, nur rückwärts. Flüssigkeit wird verdampft, die Umgebungstemperatur draußen wärmt die Flüssigkeit. Und wenn die Flüssigkeit dann wieder komprimiert wird, ist sie warm. Da sie nach dem Verdampfen draußen Wärme aufgenommen hat, wird sie nach dem erneuten komprimieren wärmer als sie es vorher war. Die Flüssigkeit ist dann viel wärmer als es draußen ist und warm genug um eine Fußbodenheizung zu heizen oder auch Brauchwasser aufzuheizen. So kann man selbst bei -10°C draußen eine Flüssigkeit auf über 50°C aufheizen. Eine Kühltruhe kann ja auch bei 20°C Raumtemperatur auf -20°C runterkühlen.
Der Wirkungsgrad einer Wärmepumpe ist schier unglaublich hoch: Aus 1kWh Energie macht sie 3-4kWh Wärme. Das klingt unglaublich, und es ist quasi das Gegenteil eines Verbrennermotors: Da werden aus 5kWh Energie gerade 1kWh mechanische Energie gewonnen (https://www.bmuv.de/themen/luft-laerm-mobilitaet/verkehr/elektromobilitaet/effizienz-und-kosten). Vielleicht fragt ihr euch, wie das sein kann, dass aus 1kWh Energie 3 bis 4 kWh Wärme werden? Nun die Wärme wird der Umgebung (draußen) entzogen. Selbst bei -10°C ist das kein Problem, denn die Flüssigkeit die diese Wärme aufnimmt ist viel kälter. Es ist eben kein Perpetuum Mobile.

Die Wärmepumpe (bei uns Weishaupt Biblock) besteht aus 3 größeren Elementen:

  1. Außengerät, einer Art großem Ventilator draußen
  2. Innengerät, so groß wie eine Waschmaschine
  3. Pufferspeicher, wie ein großer Wasserspeicher

Ich befürchtete länger, dass das Außengerät zu laut ist, was mich zögern ließ eine Luft/Wasser Wärmepumpe zu wählen. Doch es gibt spezielle Kombinationen wie die Biblock, die darauf optimiert sind draußen kaum Lärm zu machen. Die Lüftung ist so laut wie ein leiser PC-Lüfter – wirklich nicht störend.

Die Bilanz des ersten Jahres Wärmepumpe

Die Wärmepumpe generierte aufs Jahr gerechnet Wärme von ca. 6100 kWh. Das ist weniger als mit der Gasheizung damals. Die Gasheizung hat wahrscheinlich um die 90% Wirkungsgrad, also 11000 kWh Wärme, was deutlich mehr war. Das liegt sicher auch daran, dass wir weniger geheizt haben (21°C in bewohnten Räumen, 1°C weniger als im Winter davor) und daran, dass der Winter mild war. Ich habe die Vorlauftemperatur so weit wie möglich runtergesetzt – das spart viel Energie. Auch das Brauchwasser ist nun nicht mehr 55°C warm, sondern nur 45°C. Die Thermostate habe ich auch getauscht. Das sind alles Dinge die man auch bei einer Gastherme machen kann (und sollte). Sprich diese Faktoren haben wahrscheinlich 45% Energie eingespart – ganz ohne die Wärmepumpe möglich.

Nun zur eigentlichen Einsparung durch den Umstieg von Gas auf Wärmepumpe:
Strom verbrauchte die Wärmepumpe ca. 2100kWh, also Faktor 3 weniger als Wärme produziert wurde. Und da wir Photovoltaik auf dem Dach bzw. Ökostrom haben, ist das CO2 Neutral.

Vergleich (Gas gerechnet auf den neuen geringeren Verbrauch):

HeizungsartEnergieverbrauchCO2Kosten
Gas6800 kWh Gas2t€ 800 (10.1 Cent / kWh + Grundpreis)
Wärmepumpe Luft/Wasser2100 kWh Strom0€ 630 (€ 0.3 / kWh Öko)

Man spart also – nichts? Außer dem CO2? – Allein das wäre ein sehr guter Grund. Nun, zum Glück ist das bei uns nicht ganz so. Denn auf dem Dach ist Photovoltaik. Ich gehe davon aus, dass nur Nov-Feb Strom bezogen werden muss, dann wären es Kosten von ca. 400 EUR.
Die Anschaffungskosten der Wärmepumpe lagen bei uns bei ca. 30 kEUR. Davon geht aber ein staatlicher Zuschuss ab. Bleiben ca. 15 kEUR. Damit amortisiert sich die Investition (ohne Zinsen) erst nach 38 Jahren. Ganz so düster ist es aber sicher nicht. Denn die Gastherme hätten wir zum einen eh bald tauschen müssen (das wären sicher auch 10 kEUR gewesen) und zum anderen gehe ich davon aus, dass die Gaspreise steigen werden. Für die CO2 Kosten setzt die Bundesregierung 60 EUR pro Tonne an (https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/klimaschutz/weniger-co2-emissionen-1810636).

Realistisch ist also eher eine Amortisation von 10 Jahren oder kürzer, was angesichts der positiven Umweltbilanz eine sehr sinnvolle Investition ist.

Quellen: Umweltbundesamt, CO2-Äquivalent von Erdgas und Effizienz Motoren